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Gedanken · 8. Juli 2021

Die Ritual-Routine: Sag Hallo zum Zuckerjunkie

von Rafaela

Beim Wort „Ritual“ denken viele an Abendrituale, die Kindern Geborgenheit geben – oder an etwas Mystisches. Ein etwas unglücklicher Begriff, aber ich habe keinen besseren gefunden. Denn ein Ritual ist für mich etwas ganz anderes als eine Gewohnheit.

Eine Gewohnheit ist kein Ritual

Eine Gewohnheit passiert einfach – „das ist mir zur Gewohnheit geworden“ –, ohne dass man es vorhatte. Ein Ritual dagegen führt man bewusst in den Alltag ein. Man entscheidet sich dafür. Das Ritual ist aktiv und selbstbestimmt.

Sag „Hallo“ zum Zuckerjunkie

Ein kleiner privater Einblick: Ich hatte mir angewöhnt, jeden Abend Süßigkeiten zu essen. Jeden einzelnen Abend. Ich habe es geliebt, bunte Fruchtgummi-Tüten mit nach Hause zu nehmen – und sie im Kühlschrank zu lagern. Abends kreisten meine Gedanken oft nur um dieses eine Thema. Irgendwann aß ich sie auch tagsüber, wenn es stressig wurde. Oder einfach so.

Ich liebe Süßigkeiten – bis heute. Nur weil ich meine Gewohnheiten verändert habe, bin ich keine andere Person geworden. Meine Süßigkeiten sind heute nur andere.

Die unerwiderte Liebe

Irgendwann merkte ich: Es ging gar nicht mehr um Genuss. Ich aß immer mehr und fühlte mich danach nicht besser. Lange habe ich das mit Sätzen wie „Ich gönne mir mal was“, „Es war stressig“ oder „Ist ja Wochenende“ gerechtfertigt.

Also buchte ich meine ersten Ernährungsberatungen. Der Plan: von 100 auf 0 – keine Süßigkeiten mehr. Das fühlte sich an, als würde ich einen Teil meiner Identität verlieren. Und es hat nicht funktioniert. Warum?

  1. Meine Ausgangssituation wurde nicht berücksichtigt. Mehr Gemüse oder mehr trinken konnte ich leicht umsetzen – Süßigkeiten von heute auf morgen weglassen nicht.
  2. Die Ziele waren unrealistisch.
  3. Der Verzicht hat so viel Stress ausgelöst, dass meine Motivation schnell verschwand.

Neue Rituale statt Verzicht

Dann habe ich angefangen, neue Abend-Rituale einzuführen. Erst selbstgemachte Süßigkeiten, später mit weniger Zucker, dann mit Alternativen – und irgendwann auch mal ein Abend ganz ohne Snack oder mit etwas Obst. Ich habe meine alte Gewohnheit so lange ersetzt, bis das neue Ritual zur Routine geworden war.

Wenn ich heute Lust auf Süßes habe, folge ich dem Impuls nicht automatisch. Ich warte kurz, beobachte – und wenn ich dann etwas esse, genieße ich es wirklich. Ohne schlechtes Gewissen, denn ich habe mich bewusst dafür entschieden.

Kleine Schritte, die bleiben

Ich bin überzeugt: Mit einer Begleitung, die zu dir passt, kannst du Ziele erreichen, ohne etwas komplett aus deinem Leben zu streichen. Wichtig ist, deine Ausgangssituation ernst zu nehmen und Schritt für Schritt zu schauen, was möglich ist. Kleine Veränderungen, die sich leicht in den Alltag einbauen lassen, halten oft viel länger als strenge Pläne.

Alles Liebe,
Rafaela